Das APW-Curriculum Zahnerhaltung 2016 - High end nicht nur für Experten

 

01. Dezember 2016. Seit Januar diesen Jahres setzen sich 25 Kolleginnen und Kollegen im APW-Curriculum "Zahnerhaltung präventiv und restaurativ" mit hochaktuellen Fragestellungen zur Zahnerhaltung auseinander. Lesen Sie dazu den ausführlichen Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin.

 

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Füllungstherapie - kenn' ich, kann ich …. wirklich?

Zu sechs Wochenenden rund um hochaktuelle Fragestellungen zur Zahnerhaltung bittet die APW 25 neugierige und wissensdurstige Kollegen im Curriculum „Zahnerhaltung präventiv und restaurativ“ seit Januar 2016. Was erwartet die Teilnehmer in diesem Themenkreis, der doch scheinbar wirklich abgegrast und abgeschlossen ist? Füllungstherapie, Composites, Adhäsivtechnik — da ist doch nun wirklich schon alles zu gesagt, geschrieben und vorgetragen worden. Sollte da tatsächlich soviel wertvolle Freizeit und auch Geld investiert werden, nur um alte Hüte mal wieder aus dem Schrank zu holen? Scheinbar ist die APW hier völlig anderer Meinung und sie hat ausgesprochene Experten zu hochaktuellen Problemen verpflichten können.
 

Den Einstieg machen Prof. Dr. Rainer Haak und PD Dr. Felix Krause in Leipzig. Moderne Kariesdiagnostik wird die Herausforderung sein. Nach den theoretischen Grundlagen zur Diagnostik allgemein, wird über die Spezifität und Sensitivität eine einschätzende Bewertung der im weiteren vorgestellten diagnostischen Methoden angeboten. Die Visuelle Inspektion steht am Anfang der Diagnostik - Das International Caries Detection and Assessment System (ICDAS) bietet ein evidente Möglichkeit, eine diagnostizierte Karies praxisnah zu klassifizieren. Über die radiologische Kariesdiagnostik, Verfahren der herkömmlichen Transillumination, die faseroptische Transillumination bis zur Nahinfrarot-Transillumination  oder        Fluoreszenzbasierten Kariesdetektion    werden   sowohl     praxisorientierte als
auch wissenschaftliche  Verfahren in Theorie  und  Praxis

Konzentriertes Arbeiten im praktischen Teil der Fortbildung // Foto: Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Uniklinik Würzburg, Prof. Dr. Gabriel Krastl

demonstriert und geübt. Erst die präzise Klassifikationeiner kariösen Läsion läßt für den jeweiligen Defekt einen Schluß auf die erforderlichen Maßnahmen der Therapie oder Prävention zu.  Eine valide Diagnose und Dokumentation jeder Läsion erlaubt eine evidente Therapieempfehlung, angefangen bei präventiven Maßnahmen der Pflege bis zur spontanen oder gesteuerten Remineralisation über mikroinvasive Verfahren bis zur „klassischen“ Füllungstherapie.

Die nächste Runde leitet in Aachen Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel mit dem Thema „Non-und mikro-invasives Kariesmanagement“.  Im Mittelpunkt steht die Therapie von Defekten der ICDAS-Klassen 1 bis 4. Es geht es um Remineralisation, Heal to Seal und vor allem um das von Prof. Meyer-Lückel mitentwickelte und für die Praxis eingeführte Verfahren der mikroinvasiven Kariesinfiltration. Neben den theoretischen Grundlagen besteht selbstverständlich wieder die Gelegenheit, dieses innovative Therapieverfahren aus erster Hand zu begreifen. Vor- und Nachteile, Goes und No-Goes werden aufgezeigt und diskutiert. Es wird ein Wochenende mit sehr innovativen und praktischen Aspekten für die tägliche Praxis.

Eine ganz andere Seite schlagen dritten Termin Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Prof. Dr. Diana Wolff und PD Dr. Cornelia Frese in Heidelberg auf. Extremfälle der Füllungstherapie im Seitenzahnbereich sind diesmal das Programm. Vornehmlich wird die in Heidelberg entwickelte „R2-Technik“ zur zuverlässigen, dentinadhäsiven Compositeanwendung in extrem tiefen, subgingivalen Kavitäten vorgestellt. Auch regen Prof. Staehle und Prof. Wolff die Möglichkeit der Restauration nahezu kompletter Zahnkronen oder auch Zahnverbreiterungen bis zu Prämolarenbreit in Composite an. So werden neben der vorteilhaften Substanzschonung und dem Vermeiden konventioneller Prothetik auch mögliche Kostenvorteile für den Patienten herausgehoben.

Prof. Dr. Carolina Ganß (Gießen), Prof. Dr. Michelle Ommerborn (Düsseldorf) und Prof. Dr. Nadine Schlüter (Freiburg)  wenden sich in Gießen nicht-kariös bedingten Zahndefekten (ohne Trauma), ihrer Ätiologie, Diagnostik und Therapie zu. Nicht-kariöse Defekte sind Abrasion Attrition und Erosion. Dieser Formenkreis wird mit großer Wahrscheinlichkeit in der Zukunft immer schwerer in das Gewicht des zahnärztlichen Therapiespektrums fallen. Das klinische Bild der unterschiedlichen nicht-kariösen Substanzdefekte ähnelt sich in manchen Fällen sehr stark. Ob der sehr unterschiedlichen Pathogenese und Ätiologie ist eine präzise Diagnosenstellung hoch wichtig, da Erfolg und Misserfolg der therapeutischen Massnahmen gerade bei nicht-kariösen Läsionen sehr eng an die richtige Diagnose gebunden sind.

Die Reise nach Würzburg bringt die Gruppe des Curriculum zu Prof. Dr. Gabriel Krastl. Als Nachfolger von Prof. Dr. Klaiber referiert Prof. Krastl zur ästhetischen Frontzahnfüllung. Der ästhetische Aufbau der Frontzähne in Form und Farbgebung ist immer eine besondere zahnärztliche Herausforderung, deren erfolgreiche Bewältigung häufig ein besonderes Wohlwollen der Patienten, als auch eine besondere Befriedigung im zahnärztlichen Beruf darstellen kann. Der Würzburger Kurs gibt sehr viele Hinweise zur einfachen, schnellen und sehr hochwertigen Lösung umfangreicher Defekte der Frontzähne. Dabei wird auch auf ästhetische Zahnverbreiterung, Lücken- und Diastemaschluß eingegangen.

Der Abschluss der Reihe wird mit Prof. Roland Frankenberger in Marburg mit Theorie und Praxis der dentinadhäsiven Versorgung mit unterschiedlichen Einlagefüllungen. Im Vordergrund stehen die Techniken zur adhäsiven Befestigung in den aktuellen Werkstoffen und Verfahren. Auch Reparatur und Ergänzung von vorhandenen Restaurationen sind im Programm.

Den Abschuss des Curriculums stellen, wie Immer die Fallvorstellungen und die Abschlußgespräche der Teilnehmer dar.

Füllungstherapie heute - das Thema eines spannenden und vielseitigen Curriculums wird in seinem umfangen Facettenreichtum dargestellt. Sowohl die Kollegen am Anfang ihrer Tätigkeit, als auch die „alten Hasen“ mit (vermeintlich) umfangreichstem Erfahrungsschatz, alle sie, die den Mut finden, sich mit diesen, vermeintlich abgehandelten Themen der Zahnerhaltung zu beschäftigen, können nur begeistert sein. Die Vielfalt, die Möglichkeiten und die Chancen, die mit modernen und aktuellen Verfahren und Kenntnissen der Diagnostik und Therapie heute in der Praxis zu erreichen sind, zeigen neue Wege auf. Der Weg in eine sehr schonende, defektorientierte Zahnheilkunde wird von hoch engagierten und motivierten Dozenten aufgezeigt und erfolgreich beschritten. Die Führung auf diesen neuen Weg kann für jeden restaurativ und erhaltenden Zahnarzt nur lohnend und förderlich sein.

Es passiert so viel tolles und spannendes, lassen wir uns drauf ein… nur Mut!

Constanze Freytag (Velbert)